Eigentlich hatten wir erwartet, dass auf unseren Wegen, die ja immerhin bekannte Fernwanderwege wie die GTA oder die GR5 sind, viel mehr Menschen unterwegs wären. Es ist ja immer noch Ferienzeit hier in Italien und Frankreich. Es gibt Hotspots, wo man mit dem Auto oder dem Bus in die Nähe fahren und dann eine Hütte oder einen Berg entern kann. Dort hat es dann plötzlich ganze Menschentrauben jeglichen Alters, hier in Italien meist sehr gut und sehr farbenfroh gekleidet. Aber die klassischen Fernwander*innen sind rar.
Wir haben uns heute etwas damit beschäftigt, die Wesen, die uns entgegenkommen oder überholen (ja, das gibt es inzwischen auch 😢) genauer anzuschauen. Wer oder was ist denn da unterwegs?
Da gibt es die Einzelfiguren. Die sind entweder muskulös, minimalistisch aber gut ausgerüstet. Die sind in der Regel wortkarg, grüssen knapp, aber immerhin. Die anderen schlendern durch die Landschaft, tragen zum Teil lustige Kleider und einen Stoffrucksack. Dafür sind sie gesprächiger und grüssen freundlich.
Da gibt es die Gruppen junger Menschen, die wir schon von weitem hören. Fröhlich, bestens ausgerüstet und meist schnell unterwegs. Vielfach hängen an diesen Gruppen noch ein-zwei weniger trainierte. Die haben rote Köpfe und finden es wohl nicht wirklich lustig. Die gehen dann vielleicht das nächste Mal nicht mehr mit?
Viele Familien sind unterwegs. Oft mehrere Generationen gemeinsam von der wirklich alten Oma bis zum Kleinkind. Familien machen auch Familienanlässe am Abend in den Hütten. Die steigen da alle hinauf, essen und trinken gemeinsam, schlafen in den Massenschlägen und steigen dann am nächsten Morgen wieder ab.
Oft sehen wir auch Zweiergespanne Vater/Kind oder Mutter/Kind. Manchmal ist das Kind auch schon erwachsen und Mutter/Vater schon älter. Schön zu sehen.
Hier in den italienischen Westalpen sind auch häufig Menschen mit Hunden unterwegs. Die Vierbeiner sind tatsächlich immer vorschriftsgemäss an der Leine, wir befinden uns ja hier im Schutzgebiet Parco Naturale delle Alpi Marittime.
Und dass es sinnvoll ist, dass die Hunde an der Leine sind, ist offensichtlich: Es sind nämlich auch noch andere Lebewesen auf unseren Wegen. Die einen sind inzwischen recht dick und pfeifen, wenn wir kommen, bevor sie in die Löcher verschwinden.
Die anderen haben auch vier Beine, aber obendrauf noch kleine Hörner. Sie sind hier gar nicht scheu, gehen vielleicht freundlicherweise jeweils ein paar Schritte vom Weg ab, damit wir durchgehen können.

Wenn sie erschrecken, geben aber auch sie Laut. Dass der Warnruf der Gämsen auch ein Pfiff ist (ähnlich dem Schrei eines Busshards) haben wir hier zum ersten Mal gehört.
Auch wenn wir beide uns voll und ganz genügen, sind wir also nicht ganz allein auf unseren Wegen, was ja auch schön ist.
Nach einem sonnigen, warmen Tag mit einigem Auf und Ab sind wir im schön renovierten Refugio Soria-Ellena angekommen, die letzte Hütte auf italienischem Gebiet. Ab morgen Mittag müssen wir dann auf französisch kommunizieren. Wir haben tatsächlich ein Zimmerchen für uns, eine warme Dusche gab es auch und die haben hier für die Gäste doch tatsächlich WiFi. Darum kommt der Blog heute wieder einmal frühzeitig.
Hansruedi
